{"id":172,"date":"2014-07-03T23:10:17","date_gmt":"2014-07-03T21:10:17","guid":{"rendered":"http:\/\/ulrichkoeniglu.de\/?p=172"},"modified":"2017-11-06T21:08:42","modified_gmt":"2017-11-06T20:08:42","slug":"etymologie-des-orztsnamens-deetz","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ulrichkoeniglu.de\/?p=172","title":{"rendered":"Etymologie des Ortsnamens Deetz"},"content":{"rendered":"<p>Die Ortsnamenforschung in Mitteldeutschland ist bisher sehr einseitig.<\/p>\n<p class=\"c0\">Wenn bei Ortsnamen eine germanische oder deutsche Herkunft nicht nachgewiesen werden konnte, hat man sich ausschlieslich auf eine slawische Herkunft festgelegt.<\/p>\n<p class=\"c0\">Dadurch kam man zum Teil zu abenteuerlichen Deutungen.<\/p>\n<p class=\"c0\"><span class=\"c8\">Beispiel: Deetz<\/span><\/p>\n<p class=\"c0\">Hierzu Johannes W\u00fctschke (nach eigenem Bekunden Nichtslawist, 1882 &#8211; ?) (S. 16 in seinem Bericht):<\/p>\n<p class=\"c0\"><span class=\"c3 c14\">(W\u00fctschke, Johannes, Mitteldeutsche Ortsnamen mit besonderer Ber\u00fccksichtigung des Zerbster Raumes, Heimatmuseum der Stadt Zerbst, 1960).<\/span><\/p>\n<p class=\"c0\">1314 Detitz, 1534 Deytz, 1536 Deetze.<\/p>\n<p class=\"c0\">Zu Personennamen \u00a0D\u011bti, D\u011btan unter anderem Pluralform D\u011bticy = Familie und Dorf des D\u011bti, Kindsdorf zu altslawisch d\u011bti = Kind, kindischer Mensch<\/p>\n<p class=\"c0\"><span class=\"c3\">(Hey, Gustav und Schulze, Karl, Die Siedlungen in Anhalt, Verl. d. Buchhandlung d. Waisenhauses, Halle, 1905, S. 17);<\/span><\/p>\n<p class=\"c0\">oder<span class=\"c3\">\u00a0<\/span>zu asl.<span class=\"c3\">\u00a0<\/span>d\u011bdib = Gro\u00dfvater<\/p>\n<p class=\"c0\"><span class=\"c3\">(Trautmann, Reinhold, Die elb- und ostslawischen Ortsnamen, Akademie-Verlag, Berlin, 1948 und 1949, Register, 1956, II, S.105).<\/span><\/p>\n<p class=\"c0\">Das Winkelzeichen auf dem e \u2192 \u011b \u00a0gibt an, dass nicht de, sondern dje gesprochen wird.<\/p>\n<p class=\"c0\">Auch in den heutigen slawischen Sprachen gibt es kein de-. Zwischen d und e wird immer ein Konsonant beim Sprechen eingeschoben (nicht immer geschrieben).<\/p>\n<p class=\"c0\">Vergleiche tschechisch d\u011bti (gespr. djeti) und polnisch dzieci (gespr. d-dsch-ie-zi) \u00b4Kinder`, russisch \u0434\u00e9\u0442\u0438 (gespr. djetchi).<\/p>\n<p class=\"c0\">Ich halte es f\u00fcr ausgeschlossen, dass aus djeti ein deti \u2192 detit \u2192 deetz h\u00e4tte entstehen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p class=\"c0\">Das Suffix -tz k\u00f6nnte eine Anpassung an slawische Sprachgewohnheiten gewesen sein. Aber vgl. auch germanisch \/ deutsch Hart \u2192 Harz (das Mittelgebirge).<\/p>\n<p class=\"c0\">Im Niedersorbischen heissen Kinder \u00fcbrigens g\u00f3les\u00e1 und Grossvater heisst stary nan.<\/p>\n<p class=\"c0\">Wenn \u00fcberhaupt keine Deutung gelingen wollte, wurde einfach ein \u201calt-slawischer\u201d Personenname vom Ortsnamen abgeleitet und die erfundene Person zum Gr\u00fcnder des Ortes erkl\u00e4rt. Beispiel: Deetz von D\u011bti.<\/p>\n<p class=\"c0\">Deetz wurde erst um 650 &#8211; 700 n. Chr. von Slawen okkupiert, unter F\u00fchrung der Awaren. Da war Deetz bereits ein alter Ort. Etwa um 900 n. Chr. war die germanisch-deutsche R\u00fcckeroberung abgeschlossen.<\/p>\n<p class=\"c0\">Bis 1945 gab es vier Orte mit dem Namen Deetz. Heute sind es nur noch drei. Ein Deetz \u00f6stlich der Oder (fr\u00fcher Landkreis Soldin, Brandenburg) heisst seit 1945 Dziedzice (gespr. D-dsch-ied-dsch-ize), als Ergebnis der \u00dcbersetzung von Deetz ins Polnische.<\/p>\n<p class=\"c0\"><span class=\"c8\">Funde aus der Bronzezeit in Deetz<\/span><\/p>\n<p class=\"c0\">Arch\u00e4ologische Funde in Deetz \/ Zerbst legen nahe, dass Deetz sp\u00e4testens in der j\u00fcngeren Bronzezeit, etwa um 1200 &#8211; 1100 v. Chr, dauerhaft besiedelt war. Der Grund war wohl, dass die wenig fruchtbaren B\u00f6den im Vorfl\u00e4ming erst durch die Erfindung von Bronzeger\u00e4ten, insbesondere der Bronzesichel wirtschaftlich nutzbar geworden sind. Die teilweise kargen B\u00f6den waren f\u00fcr die Art des Ackerbaus in der Jungsteinzeit zu wenig ertragreich gewesen.<\/p>\n<p class=\"c0\">Wichtige Hinweise auf eine dauerhafte Besiedelung in der Bronzezeit sind die Bronzefunde.<\/p>\n<p class=\"c0\">In Deetz wurde 1822 ein Hortfund entdeckt mit 42 Bronzesicheln, bzw. Sichelfragmenten aus der j\u00fcngeren Bronzezeit. Es konnten drei Arten von Sicheln nachgewiesen werden, vermutlich jeweils geeignet f\u00fcr einen besonderen Bodentyp. Die meisten Sicheln sind schwere Sicheln Typ Frankleben (Unstrut-Gruppe), die Sicheln Typ B\u00f6sel (L\u00fcneburg-Gruppe) sind fast gleich schwer. Sicheln Typ \u00c4ltere Lausitz sind leichter.<\/p>\n<p class=\"c0\">Ausserdem wurden zwei Bronze-Fibeln geborgen (eine Spiralplattenfibel mit gedrehtem B\u00fcgel und eine Spiralplattenfibel mit ovalem Blattb\u00fcgel).<\/p>\n<p class=\"c0\">In j\u00fcngerer Zeit (ab 2001) konnte eine bronzezeitliche Urnen-Grabanlage an Hand von Scherben nachgewiesen werden. Vermutlich ist es der Standort, an dem die Spiralplattenfibel mit gedrehtemB\u00fcgel (Typ Spindlersfeld) gefunden wurde. (Finder der Scherben Landwirt Mathias M\u00f6senthin, Deetz).<\/p>\n<p class=\"c0\"><span class=\"c3\">(Bericht Ulrich K\u00f6nig, Mathias M\u00f6senthin, Bronzezeitliche Scherben im Deetzer Spargelacker, 23.05.14)<\/span><\/p>\n<p class=\"c0\"><span class=\"c8\">Liste Deetz-\u00e4hnlicher Ortsnamen<\/span><\/p>\n<p class=\"c0\">Wenn man schon fr\u00fcher heraus gefunden h\u00e4tte, dass 4 Orte mit dem Namen Deetz existiert haben und dass es viele Orte gibt, die das Stammwort <span class=\"c5\">det<\/span>\u00a0enthalten oder analoge W\u00f6rter, h\u00e4tte man sofort gewusst, dass Deetz ein sehr alter Ort sein muss. Und dass der Name Deetz aus einer Zeit stammen muss, in der Ortsnamen Landschafts-Bezeichnungen waren.<\/p>\n<p class=\"c0\"><span class=\"c9 c13\">Hier eine Reihe von Deetz-\u00e4hnlichen Ortsnamen.<\/span><\/p>\n<p class=\"c0\">Detmold, Dettelsau, Dettingen, Dettelbach, Dettenbrunn, Detteldorf, Dettelhausen, Dettingen, Dettensee, Deute, Deutmecke, Deutz, Dieten, Dietfurt, Dithmarschen, Dietz, Diez.<\/p>\n<p class=\"c0\"><span class=\"c3\">Dittersbach wird im Namenverzeichnis zum Andreas Handatlas, 1928, insgesamt 13-mal genannt. Von diesen Orten waren vor 1945 zwei Orte in Polen, einer bei Sagan (heute Dzietrzychowice) und einer bei Waldenburg (heute Podg\u00f3rze).<\/span><\/p>\n<p class=\"c0\"><span class=\"c3\">In Tschechien gab es vier Orte Dittersbach, ein Ort bei Friedland (heute D\u011btrichow), ein Ort bei Halbstadt (heute Jetrichov), ein Ort in der B\u00f6hmischen Schweiz (heute Jetrichovice), ein Ort bei Politschka (heute Sta\u0161ov).<\/span><\/p>\n<p class=\"c0\"><span class=\"c3\">Die genannten Orte waren alle am Wasser oder Sumpf, und sind es meist noch heute \u2013 wie die vier Orte mit dem Namen Deetz.<\/span><\/p>\n<p class=\"c0\"><span class=\"c3\">Das namengebende Wort f\u00fcr Deetz muss also einmal ein Wasserwort gewesen sein und Bestandteil einer sehr alten, heute nicht mehr lebenden Sprache.<\/span><\/p>\n<p class=\"c0\"><span class=\"c9\">Der ber\u00fchmte Sprachforscher Hans Krahe (1898 &#8211; 1965) formulierte<\/span><\/p>\n<p class=\"c0\">\u201cDenn wo Ortsnamen einer bestimmten Sprache in gr\u00f6\u00dferer Zahl sich finden, da mu\u00df auch die betreffende Sprache selbst gesprochen worden sein, m\u00fcssen Angeh\u00f6rige des diese Sprache sprechenden Volkes gelebt haben. Und so l\u00e4\u00dft sich denn gerade infolge der <span class=\"c5\">Raumgebundenheit der Ortsnamen<\/span>\u00a0das einstige Siedlungsgebiet sp\u00e4ter untergegangenener V\u00f6lker oft mit gro\u00dfer Genauigkeit bestimmen\u201d.<\/p>\n<p class=\"c0\"><span class=\"c3\">(Hans Krahe, Sprache de Urzeit, Verl. Quelle&amp; Meyer, G\u00f6ttingen, 1954, S.38)<\/span><\/p>\n<p class=\"c0\">Das bedeutet auch, dass die grosse Zahl Deetz-\u00e4hnlicher W\u00f6rter einmal zu einer gemeinsamen Sprache geh\u00f6rt haben m\u00fcssen und dass alle Deetz-\u00e4hnlichen Orte aus der gleichen Gr\u00fcnderzeit stammen m\u00fcssen und dass alle diese Ortsnamen sehr alt sein m\u00fcssen.<\/p>\n<p class=\"c0\"><span class=\"c5 c9\">F\u00fcr Deetz bedeutet das,<\/span><span class=\"c5\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p class=\"c0\"><span class=\"c5\">&#8211; dass der alte Name von Deetz urspr\u00fcnglich eine Landschaftsbezeichnng war,<\/span><\/p>\n<p class=\"c0\"><span class=\"c5\">&#8211; dass es den Namen Deetz, wenig ver\u00e4ndert, mindestens seit der j\u00fcngeren \u00a0<\/span><\/p>\n<p class=\"c0\"><span class=\"c5\">&#8211; Bronzezeit gibt,<\/span><\/p>\n<p class=\"c0\"><span class=\"c5\">&#8211; dass der Name Deetz, wenig ver\u00e4ndert, von allen jeweiligen Bewohnern <\/span><\/p>\n<p class=\"c0\"><span class=\"c5\">\u00a0 \u00fcbernommen wurde, unabh\u00e4ngig von ihrer Volkszugeh\u00f6rigkeit und ihrer <\/span><\/p>\n<p class=\"c0\"><span class=\"c5\">\u00a0 Sprache.<\/span><\/p>\n<p class=\"c0\"><span class=\"c8\">Deetz-\u00e4hnliche W\u00f6rter im deutschen Sprachschatz<\/span><\/p>\n<p class=\"c0\"><span class=\"c9\">Im Dialekt<\/span><\/p>\n<p class=\"c0\">Bayrisch Detsch ist \u00b4Mist`.<\/p>\n<p class=\"c0\">S\u00fcddeutsch Detz ist \u00b4Jauche, Mist`.<\/p>\n<p class=\"c0\">S\u00fcddeutsch Deut ist \u00b4Sumpf, Schilf`.<\/p>\n<p class=\"c0\">Mitteldeutsch \u00fcber Braunschweig bis Rheinland: \u201eDu bist ja detsch\u201c, bedeutet soviel wie \u201eDu bist ja matschig im Kopf\u201c.(Dabei wird gern bezeichnend an den Kopf getippt).<\/p>\n<p class=\"c0\"><span class=\"c8\">Bewahren des Wasserwortes <\/span><span class=\"c5 c10\">det<\/span><span class=\"c8\">\u00a0im Albanischen<\/span><\/p>\n<p class=\"c0\">Ich habe viele Sprachb\u00fccher gew\u00e4lzt, um herauszufinden, ob es noch eine europ\u00e4ische Sprache gibt, in der das Wasserwort <span class=\"c5\">det<\/span>\u00a0\u00fcberlebt hat.<\/p>\n<p class=\"c0\">Zu meiner \u00dcberraschung bin ich ausgerechnet beim Albanischen f\u00fcndig geworden. Im Albanischen heisst det \u00b4See, Meer`.<\/p>\n<p class=\"c0\">Das Albanische hat also ein altes Wasserwort bewahrt, das es in der deutschen Hochsprache nicht mehr gibt, nur noch in Dialekten.<\/p>\n<p class=\"c0\">Das Wort det oder \u00c4hnliches gibt es in slawischen Sprachen nicht.<\/p>\n<p class=\"c0\">An anderer Stelle beweise ich, dass die Ur-Albaner die sagenhaften Wenden gewesen sind, die bis zur Invasion der Slawen unsere direkten Nachbarn waren.<\/p>\n<p class=\"c0\">Die Folge der Invasion der Slawen war das Verschwinden der Wenden &#8211; bis auf ihre Ortsnamen !<\/p>\n<p class=\"c0\">Das Ur-Albanische d\u00fcrfte im Kern eine baltische Sprache gewesen sein.<\/p>\n<p class=\"c0\">Ich habe etwa 170 Isoglossen in einem W\u00f6rterbuch Deutsch-Albanisch zusammen gestellt. Isoglossen sind W\u00f6rterpaare, bzw. Wortfamilienpaare, die es nur in zwei Sprachen gibt. In diesem Fall im Albanischen und im Deutschen und in keiner anderen Sprache.<\/p>\n<p class=\"c0\">Aus so vielen Isoglossen ergibt sich zwingend eine fr\u00fchere direkte Nachbarschaft.<\/p>\n<p class=\"c0\">Die vielen uns fremd vorkommenden Ortsnamen sind nicht slawischer Herkunft, sondern ur-albanischer \/ wendischer Herkunft.<\/p>\n<p class=\"c0\">Der Wissenschaft ist bekannt, dass die Albaner auf ihrem heutigen Siedlunggebiet nicht autochthon sein k\u00f6nnen.<\/p>\n<p class=\"c0\">P.S.<\/p>\n<p class=\"c0\">Der Name der Sachsen und der Name der Wanen hat in der germanischen Sage einen dichterischen Widerhall gefunden.<\/p>\n<p class=\"c0\">Nach meiner festen \u00dcberzeugung haben im germanischen G\u00f6ttergeschlecht der<span class=\"c7\">\u00a0<\/span><span class=\"c2\">Asen <\/span>sprachlich die <span class=\"c2\">Sachsen <\/span>\u00fcberlebt, im germanischen G\u00f6ttergeschlecht der <span class=\"c4\">Wanen<\/span>\u00a0 sprachlich die <span class=\"c4\">Wenden, die Ur-Albaner<\/span>.<\/p>\n<p class=\"c0\">Der Wanenkrieg der isl\u00e4ndischen Saga erinnert an die Auseinandersetzung der Sachsen und der Wenden.<\/p>\n<p class=\"c0\">Denn die Wanen tragen alle fremdl\u00e4ndische Namen. Mit Hilfe des Albanischen lassen sie sich alle etymologisch sinnvoll deuten (siehe meine Arbeit \u201cDer Wanenkrieg\u201d).<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Ortsnamenforschung in Mitteldeutschland ist bisher sehr einseitig. Wenn bei Ortsnamen eine germanische oder deutsche Herkunft nicht nachgewiesen werden konnte, hat man sich ausschlieslich auf eine slawische Herkunft festgelegt. Dadurch kam man zum Teil zu abenteuerlichen Deutungen. 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