{"id":52,"date":"2012-05-10T17:58:21","date_gmt":"2012-05-10T15:58:21","guid":{"rendered":"http:\/\/ulrichkoeniglu.de\/?p=52"},"modified":"2017-11-06T21:08:49","modified_gmt":"2017-11-06T20:08:49","slug":"blankenburg-eroberung-durch-die-amerikaner-20-april-1945","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ulrichkoeniglu.de\/?p=52","title":{"rendered":"Blankenburg &#8211; Eroberung durch die Amerikaner, 20. April 1945"},"content":{"rendered":"<p>Ausz\u00fcge aus meiner Arbeit Kriegskind<\/p>\n<h1>Granatenbeschuss<\/h1>\n<p>Am 10.04.1945 hatten die Amerikaner Goslar eingenommen. Am 11.04.<br \/>\neroberte das 1.Bataillon der 83^rd Infantry Division die Stadt Bad<br \/>\nHarzburg.<\/p>\n<p>Von diesem Tag an wurden in Blankenburg, Stra\u00dfen und Stra\u00dfenkreuzungen<br \/>\nbeschossen. Mit Artillerie und Panzerkanonen. Nur durch<br \/>\nTieffliegerangriffe unterbrochen. Neun Tage lang.<\/p>\n<p>Die 83.^rd Infantry Division, ist Blankenburg s\u00fcdlich liegen lassend,<br \/>\nbis zur Elbe, bei Barby, gest\u00fcrmt. Dort stoppte sie ein Befehl<br \/>\nEisenhowers, der die Eroberung Berlins den Russen \u00fcberlassen wollte,<br \/>\nweil ihm Mitarbeiter signalisiert hatten, die Eroberung Berlins w\u00fcrde<br \/>\n100 000 amerikanische Tote kosten. (Tats\u00e4chlich haben beim Angriff auf<br \/>\nBerlin von 2,5 Mio Rotarmisten etwa 600 000 ihr Leben geopfert).<\/p>\n<p>Trotz des Granatenbeschusses mussten mein j\u00fcngerer Bruder Wolfram (9)<br \/>\nund ich (12) einkaufen gehen und Futter f\u00fcr die Tiere heranholen, f\u00fcr<br \/>\ndie Kaninchen und H\u00fchner. Die Kaninchen erhielten im Sommer nur<br \/>\nGr\u00fcnfutter, die H\u00fchner K\u00f6rner von selbst gelesenen \u00c4hren oder gewiegte<br \/>\njunge Brennesseln. Unsere Mutter hatte den sinnlosen Tod unseres \u00e4lteren<br \/>\nBruders Klaus nach drei Jahren nat\u00fcrlich noch lange nicht verkraftet<br \/>\ngehabt (Klaus starb nach einer Blinddarm-Operation). So \u00fcberlie\u00df sie uns<br \/>\nKindern, meist mir, alle zu erledigenden Wege.<\/p>\n<h1>Tiefflieger \u00fcber Blankenburg<\/h1>\n<p>Die Tiefflieger \u00fcber Blankenburg wurden vermutlich zun\u00e4chst zur<br \/>\nAbsicherung von amerikanischen Truppen- und Nachschubbewegungen<br \/>\neingesetzt. Dann waren sie seit dem 10. April 1945 ebenfalls regelm\u00e4\u00dfig da.<\/p>\n<p>Sie haben sich jeweils einen Stra\u00dfenzug vorgenommen (der ihnen von einem<br \/>\nBeobachtungsflugzeug zugewiesen worden war), kamen herunter, bis dicht<br \/>\n\u00fcber die H\u00e4user, folgten dem Stra\u00dfenzug und ballerten dann aus allen<br \/>\nRohren. Sie versuchten schr\u00e4g seitlich in die H\u00e4user hinein zu schie\u00dfen<br \/>\noder schossen einfach nur auf die B\u00fcrgersteige.<\/p>\n<p>Die liebsten Ziele waren ihnen offensichtlich Menschen. Zwei- oder<br \/>\ndreimal haben sie versucht meinen Bruder Wolfram und mich zu erwischen.<br \/>\nWir waren zu dieser Zeit oft zusammen unterwegs.<\/p>\n<p>Nach jedem dieser amerikanischen \u201eJagdfl\u00fcge\u201c waren die Stra\u00dfen voll von<br \/>\nsilbern aussehenden, langst\u00fcckigen und langz\u00e4hnigen Splittern.<br \/>\nWundersch\u00f6n aussehend &#8211; f\u00fcr uns Kinder ! Wolfram und ich sammelten sie &#8211;<br \/>\neine Zeitlang. Sie rosteten schnell. Einige Bordkanonen-Geschosse hatten<br \/>\nAufschlagz\u00fcnder.<\/p>\n<h1>Warten auf die Amerikaner<\/h1>\n<p>In Blankenburg war die Spannung innerhalb der letzten Tage bis ins<br \/>\nUnertr\u00e4gliche gestiegen. Alle wussten, dass die Stadt vollst\u00e4ndig<br \/>\neingeschlossen war und hofften sehnlichst auf ein schnelles Ende\u201c.<\/p>\n<p>In unsere Familie \u201ewussten\u201c wir wann die Amerikaner kommen. Es war<br \/>\nn\u00e4mlich das Ger\u00fccht entstanden, die Amerikaner w\u00fcrden auf \u201eF\u00fchrers\u201c<br \/>\nGeburtstag, den 20.April, warten, um einen besonders wirkungsvollen<br \/>\nAuftritt zu haben. Dieses \u201eWissen\u201c machte das Warten leichter.<\/p>\n<h1>Auf verlorenem Posten an der Teufelsmauer<\/h1>\n<p>Seit etwa dem 10.April war mein Vater als Volkssturmmann mit Adolf<br \/>\nGrodrian, dem G\u00e4rtner des Braunschweiger Herzogs, am Fu\u00df der<br \/>\nTeufelsmauer, an der Tankstelle, Hasselfelder Stra\u00dfe, auf Posten<br \/>\ngestellt worden. \u201eKameraden\u201c spielten in der Tankstelle Karten. Vater<br \/>\nspielte nicht gern. So hielt er sich immer neben der Tankstelle auf.<br \/>\nEinige Volkssturmleute \u201ebewachten\u201c (!) sog. Panzersperren. Wenige hatten<br \/>\nein Gewehr. Vater hatte keins. Zusammen mit Hitlerjungen und einigen<br \/>\nSoldaten. Letztere hatten Panzerf\u00e4uste. Einige standen nur auf<br \/>\nBeobachtungsposten.<\/p>\n<p>(Damaliger Witz. Frage: Wie lange brauchen die Amerikaner, um eine<br \/>\nPanzersperre zu umgehen ? Antwort 1 Std. und 2 min. 1 Stunde um sich<br \/>\nhalb tot zu lachen und 2 min um sie zu umgehen).<\/p>\n<p>Eines Tages sagte mein Vater \u201eIch gehe da nicht wieder hin\u201c. So stiegen<br \/>\nsie vom Fu\u00df der Teufelsmauer hoch auf die Teufelsmauer. Genau an diesem<br \/>\nTage explodierte an der Stelle, wo sie eigentlich h\u00e4tten stehen sollen,<br \/>\nein Artilleriegeschoss. Keiner von beiden h\u00e4tte \u00fcberlebt.<\/p>\n<p>Die beiden durften von diesem Tage weiterhin Posten auf der Teufelsmauer<br \/>\nbeziehen. Die Sicht von dort war ohnehin viel besser. Denn der neue<br \/>\nStandort zwischen den Felsgruppen \u201eGro\u00dfmutter\u201c und \u201eGro\u00dfvater\u201c,<br \/>\nerm\u00f6glichte hervorragende Weitsicht bis Westerhausen und z.T. bis nach<br \/>\nB\u00f6rnecke. Die heutige Bewaldung fehlte.<br \/>\nSo haben beide, und andere, tags\u00fcber am 18. und 19.April, am Tage, die<br \/>\nfast pausenlosen Artillerieangriffe miterlebt. Meist wurde von B\u00f6rnecke<br \/>\naus geschossen. Am Granatenbeschuss beteiligten sich auch dort<br \/>\naufgestellte amerikanische Panzer. Es gab auch zwei Tieffliegerangriffe.<br \/>\n(Nachts gingen alle Volkssturmleute nach Hause. Aber der<br \/>\nGranatenbeschuss wurde nicht unterbrochen).<br \/>\nWie gesagt &#8211; wir rechneten schon Tage vorher mit einem amerikanischen<br \/>\nAngriff am 20.04.1945.<\/p>\n<p>Der 20. April war ein strahlender Sonnentag. Der Fr\u00fchling kam mit Macht.<br \/>\nEtwa 14 Tage fr\u00fcher als \u00fcblich. Die \u00c4pfel bl\u00fchten schon. Rhabarber<br \/>\nhatten wir schon geerntet. Mutter hatte ihn zu Saft verarbeitet und in<br \/>\nWeinflaschen abgef\u00fcllt.<br \/>\nVater und Adolf Grodrian hatten wieder Posten auf der Teufelsmauer bezogen.<br \/>\nVon 10^00 bis 10^45 Uhr flogen die Amerikaner einen Bombenangriff auf<br \/>\ndie Altstadt von Blankenburg. Keine Sirene heulte. Der Strom war<br \/>\nausgefallen.<\/p>\n<p>Mein Vater musste von oben, von der H\u00f6he Teufelsmauer aus, zusehen, in<br \/>\ndem Bewusstsein, da unten ist meine Familie.<\/p>\n<p>Am fr\u00fchen Nachmittag des 20.April kurvten einige Jabos (Jagdbomber)<br \/>\nschie\u00dfend \u00fcber Blankenburg.<\/p>\n<p>Dann waren Vater und sein Kamerad Zuschauer und Zeugen einer besonderen<br \/>\nMachtdemonstration der Amerikaner. Sie sahen, wie die Amerikaner zwei<br \/>\nPanzerkolonnen und Artillerie vor Westerhausen und zwischen Westerhausen<br \/>\nund B\u00f6rnecke drohend in Position brachten \u201eshow of force\u201c. Es war fast<br \/>\nzu Ende.<\/p>\n<p>So kam Vater mittags nach Hause und tauschte seine Uniformjacke gegen<br \/>\neine zivile Jacke und vergrub sie mit den \u00fcbrigen Uniform-Teilen, die er<br \/>\nnach und nach zu Hause gelassen hatte, im Garten. Zusammen mit dem<br \/>\nSilberbesteck meiner Mutter. Dann eilte er zur\u00fcck. G. und er trauten<br \/>\nsich nicht ihren Posten ganz zu verlassen, denn auf \u201eFahnenflucht\u201c stand<br \/>\ndie Todesstrafe &#8211; bis zum Schluss praktiziert,.<br \/>\nAls die Amerikaner einmarschiert waren, verlie\u00dfen mein Vater und Adolf<br \/>\nGrodrian die Teufelsmauer und mischten sich unter die Menschen, die den<br \/>\nLuftschutzbunker im Heidelberg, am Fu\u00df der Teufelsmauer verlie\u00dfen. Auf<br \/>\namerikanischen Befehl. Es waren wohl fast alles Fl\u00fcchtlinge.<\/p>\n<p>G. wohnte in der Oststra\u00dfe. Das bedeutete \u00dcberqueren der Westerh\u00e4user<br \/>\nStra\u00dfe. Aus Westerhausen waren die Amerikaner gekommen. G. traute sich<br \/>\nnicht allein die Westerh\u00e4user Stra\u00dfe zu \u00fcberqueren, weil er kein<br \/>\nEnglisch konnte. So ging mein Vater mit. Tats\u00e4chlich wurden sie auf der<br \/>\nWesterh\u00e4user Stra\u00dfe von zwei Amerikanern kontrolliert. Vater unterhielt<br \/>\nsich mit ihnen. Einer davon war rothaarig und ein geborener Ire. Es<br \/>\nschien schon alles gekl\u00e4rt. Da lie\u00df G. vor lauter Nervosit\u00e4t sein<br \/>\nKochgeschirr fallen. Pl\u00f6tzlich war die Stimmung explosiv. Waren die zwei<br \/>\nM\u00e4nner in Zivilkleidung doch Soldaten, die sich einer Gefangennahme<br \/>\nentziehen wollten? Vater sp\u00e4ter zu uns: \u201eBeinahe w\u00e4re alles schief<br \/>\ngegangen\u201c.<\/p>\n<p>Grodrian durfte dann doch passieren und mein Vater zur\u00fcckgehen.<br \/>\nWas ich erst 2003 kapierte: Die amerikanischen Posten haben sowohl<br \/>\nGrodrian als auch meinem Vater Patrouillen hinterher geschickt.<\/p>\n<p>Die Amerikaner suchten die Wohnung von G zwar in der Oststra\u00dfe, aber auf<br \/>\nder falschen Seite, der Westseite. So erz\u00e4hlte mir Wolfgang Grodrian,<br \/>\nSohn von Adolf G. (wie ich Jahrgang 1933) telefonisch am 16.04.2003.<br \/>\nDenn gegen\u00fcber von Grodrians Haus soll ein Mann mit seinem Kopf \u00fcber den<br \/>\nZaun gelugt und die Amerikaner beobachtet haben. Als die Amerikaner das<br \/>\nsahen, verschwand er hinter den Haus. Er wurde von Amerikanern verhaftet<br \/>\n&#8211; und kam nie wieder. Man hatte ihn wohl mit Grodrian verwechselt.<br \/>\nAuch bei meinem Vater hatte man nicht mitbekommen in welchem Haus er<br \/>\nverschwunden war. Aber man wusste die richtige Stra\u00dfenseite. So wurden<br \/>\nzun\u00e4chst zwei unserer direkten Nachbarh\u00e4user, von Amerikanern, von der<br \/>\nWesterh\u00e4user Stra\u00dfe kommend durchsucht.<\/p>\n<h1>Amerikaner in unserer Wohnung<\/h1>\n<p>Nachdem er Grodrian geholfen hatte, die Westerh\u00e4user Stra\u00dfe zu<br \/>\n\u00fcberqueren, war Vater auf der Herweg Stra\u00dfe zu uns zur\u00fcckgekommen. Er<br \/>\nschien Angst zu haben und kam sofort zu uns in den Keller, wo wir uns<br \/>\nseit Beginn des Artilleriebeschusses fast Tag und Nacht aufhielten.<\/p>\n<p>Bei uns war ein Ehepaar, mittleren Alters. Sie hatten an diesem Tag bei<br \/>\nuns Schutz gesucht. Wir kannten sie nicht und sie hatten sich auch nicht<br \/>\nvorgestellt. Nachdem mein Vater gesagt hatte, dass die Amerikaner da<br \/>\nw\u00e4ren, ging der fremde Mann immer wieder nach oben, um die Lage zu<br \/>\nsondieren. Wir hatten zwei Eingangst\u00fcren, getrennt durch einen Vorraum.<br \/>\nDie \u00e4u\u00dfere T\u00fcr hatte ein Fenster. Pl\u00f6tzlich kam er wieder in den Keller<br \/>\nund sagte, drau\u00dfen stehen Soldaten. \u201eIch wei\u00df nicht, ob es Amerikaner<br \/>\nsind. Ich habe noch nie amerikanische Soldaten gesehen\u201c. Unser Haus war<br \/>\ndurch Stufen von der tiefer liegenden Grundst\u00fccks-Begrenzungsmauer zur<br \/>\nHerweg Stra\u00dfe getrennt. Auf der Mauer war ein Gitterzaun mit eisernen<br \/>\nSpitzen..<\/p>\n<p>Ich ging dann ebenfalls zur Vordert\u00fcr. An die Szene erinnere ich mich<br \/>\nnoch immer. F\u00fcnf Amerikaner standen anscheinend unschl\u00fcssig auf der<br \/>\nStra\u00dfe herum. Sie blickten sich suchend um und immer wieder zu unserem<br \/>\nHaus. Sie hatten es nicht eilig. Erst heute ist mir klar: Es muss ein<br \/>\nSpezialkommando gewesen sein, dass man meinem Vater nachgeschickt hatte:<br \/>\nSie waren sich aber anscheinend nicht sicher, ob sie vor dem richtigen<br \/>\nHaus st\u00fcnden, nachdem sie schon in zwei anderen H\u00e4usern vergeblich nach<br \/>\nihm gefahndet hatten. (In den Nachbarh\u00e4usern gab es keine M\u00e4nner).<br \/>\nInzwischen war das Paar, das an diesem Tag bei uns Unterschlupf gesucht<br \/>\nhatte, verschwunden. Die Amerikaner k\u00fcmmerte das nicht.<br \/>\nSchlie\u00dflich entschlossen sie sich hereinzukommen, die Gewehre im<br \/>\nAnschlag, L\u00e4ufe schr\u00e4g nach unter gerichtet, Finger am Abzug. Wir<br \/>\nempfingen sie im Eingangsbereich und mussten mit ihnen weitere Stufen<br \/>\nzum Flur vor unserer Wohnung voraus gehen. Dort war unsere Wohnung durch<br \/>\ndrei T\u00fcren erreichbar.<\/p>\n<p>Wir sollten die T\u00fcren \u00f6ffnen. Bei der mittleren ging es nicht. Wir<br \/>\nhatten diese T\u00fcr immer verschlossen. Der Schl\u00fcssel steckte innen. Alle<br \/>\nZimmer hatten Verbindungst\u00fcren, so dass wir die mittlere T\u00fcr nicht<br \/>\nbrauchten.<\/p>\n<p>Einer der Soldaten zerschoss das Schloss und stie\u00df mit dem Gewehr die<br \/>\nT\u00fcr auf. Das Zimmer dahinter war voll gestellt. Es war sowohl unser<br \/>\nWohnzimmer, mit kostbaren Chippendale-M\u00f6beln aus Mahagoni.als auch das<br \/>\nsog. Herrenzimmer mit Eichenm\u00f6beln . (Heute w\u00fcrde man Arbeitszimmer<br \/>\nsagen). Das wichtigste M\u00f6bel-St\u00fcck war der wuchtige Schreibtisch meines<br \/>\nVaters.<\/p>\n<p>In der K\u00fcche sahen sie eine offene Weinflasche. Die Flasche enthielt<br \/>\nRhabarbersaft ohne Zucker. Wir mussten vorkosten. Dann nippten einige<br \/>\nvon ihnen &#8211; und spuckten in den Ausguss. Aber sie wollten unbedingt<br \/>\nwissen, was das merkw\u00fcrdige Zeug sei. Unser Vater sah in seinem gro\u00dfen<br \/>\nEnglisch-Lexikon nach und sagte es ihnen \u2013 rhubarb. Sie wiederholten das<br \/>\nWort mehrstimmig. Dabei klang das u wie ein i.<\/p>\n<p>Da sie offenbar Durst hatten, f\u00fcllten sie sich Wassergl\u00e4ser mit Wasser<br \/>\naus unserer Wasserleitung und gaben eine chlorhaltige<br \/>\nEntkeimungstablette dazu, vermutlich aus Chlorkalk.<br \/>\nDann sahen sie sich unser Wohnzimmer an. Sie l\u00fcmmelten sich in die<br \/>\nkostbaren Chippendale-St\u00fchle meiner Mutter und schauten sich neugierig<br \/>\num. Dass sie dabei die St\u00fchle meiner Mutter mit ihren Gewehren<br \/>\nverkratzten st\u00f6rte sie nicht.<\/p>\n<p>Dann gingen sie suchend umher. Einer ging zum Schreibtisch und zog das<br \/>\nSchreibfach heraus. Er entdeckte zwei Kostbarkeiten unseres Vaters, mit<br \/>\ndenen wir nicht spielen durften: Es waren ein Schuco-Modellauto und ein<br \/>\nMarschkompass. Der \u201eSchreibtisch-T\u00e4ter\u201c fragte h\u00f6flich, ob er beides<br \/>\nbehalten d\u00fcrfte. Unser Vater bejahte ebenso h\u00f6flich. Was sollte er sonst<br \/>\ntun ?<\/p>\n<p>Die ganze Zeit unterhielten sie sich mit unserem Vater. Dann gingen sie<br \/>\n&#8211; nach etwa 20 min. Die Besetzung von ganz Blankenburg hat 1\u00bd Stunden<br \/>\ngedauert.<\/p>\n<p>Ich nehme an, dass mein Vater nachweisen konnte, dass er als<br \/>\nEnglisch-Lehrer an der Blankenburger Oberschule besch\u00e4ftigt war.<\/p>\n<h1>Heraustreiben aus den H\u00e4usern<\/h1>\n<p>Nach dem Verschwinden der Spezial-Patrouille wurden alle Deutschen in<br \/>\nder Herweg Stra\u00dfe von amerikanischen Soldaten aus ihren H\u00e4usern<br \/>\ngetrieben. Wir mussten mit erhobenen H\u00e4nden bis zur Westerh\u00e4user Stra\u00dfe<br \/>\ngehen. Auch ich, ein 12-J\u00e4hriger Junge, und Kleinster in der Klasse,<br \/>\nmusste, mit kurzer Hose, mit erhobenen H\u00e4nden, gehen ! I<\/p>\n<p>Ich Knirps muss schrecklich gef\u00e4hrlich ausgesehen haben !<\/p>\n<p>Anschlie\u00dfend gab es in Blankenburg kaum noch Kameras. Kameras waren die<br \/>\nbevorzugte Beute der Amerikaner.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ausz\u00fcge aus meiner Arbeit Kriegskind Granatenbeschuss Am 10.04.1945 hatten die Amerikaner Goslar eingenommen. Am 11.04. eroberte das 1.Bataillon der 83^rd Infantry Division die Stadt Bad Harzburg. Von diesem Tag an wurden in Blankenburg, Stra\u00dfen und Stra\u00dfenkreuzungen beschossen. Mit Artillerie und &hellip; <a href=\"https:\/\/ulrichkoeniglu.de\/?p=52\">Continue reading <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[6,4,3,5,8,7,9],"class_list":["post-52","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allgemein","tag-20-aprill-1945","tag-amerikaner","tag-blankenburg","tag-eroberung","tag-kindheitserinnerung","tag-kriegskind","tag-luftangriff"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/ulrichkoeniglu.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/52","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/ulrichkoeniglu.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/ulrichkoeniglu.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/ulrichkoeniglu.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/ulrichkoeniglu.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=52"}],"version-history":[{"count":9,"href":"https:\/\/ulrichkoeniglu.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/52\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":62,"href":"https:\/\/ulrichkoeniglu.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/52\/revisions\/62"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/ulrichkoeniglu.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=52"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/ulrichkoeniglu.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=52"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/ulrichkoeniglu.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=52"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}